Alle sprechen von Mehrweg und Recycling – doch was ist das eigentlich?

Das Thema Nachhaltigkeit ist heute wichtiger denn je und viele Verbraucherinnen und Verbraucher möchten in ihren Kaufentscheidungen nachhaltiger sein. Bei Getränken stellt sich somit die Frage: Kaufe ich besser Mehrweg oder Einweg? Wir sagen ganz klar: Mehrweg! Doch knapp die Hälfte der Deutschen kann Einweg- und Mehrwegflaschen gar nicht voneinander unterscheiden. Welche Verpackungen gibt es, wie funktioniert das Recycling und spielt Regionalität eigentlich eine Rolle? Wir versuchen Licht ins Dunkel zu bringen und erklären die Unterschiede.

Kreisläufe einer Glas-Mehrwegflasche

Mehrweg oder Einweg?

Wo liegt der Unterschied?

Der wohl wichtigste Unterschied zwischen Ein- und Mehrwegflaschen ist ihre Wiederverwendbarkeit. Während Einwegflaschen nur einmal genutzt und dann recycelt werden, können PET-Mehrwegflaschen und Mehrwegflaschen aus Glas viele Male wiederverwendet werden. Das vermeidet Abfall und schont unser Klima. PET-Mehrwegflaschen verursachen auch deutlich weniger CO2-Emissionen als solche, die nur einmal verwendet werden. Insgesamt spart eine PET-Mehrwegflasche rund 50 Prozent an CO2 (68,2 CO2 kg/1000 l) gegenüber einer Einwegflasche (150 CO2 kg/1000 l). Eine Mehrwegflasche aus Glas kommt auf 84 CO2 kg/1000 l. Wenn man sich vor Augen führt dass für jeden Liter Mineralwasser eine neue Einwegflasche hergestellt und wieder vernichtet werden muss, ist dies ein erheblicher Unterschied!

Einweglabel, PETCYCLE, Mehrweglabel, Blauer Engel - Aqua Römer Quelle

Welche Labels gibt es?

Um Ein- und Mehrwegflaschen korrekt voneinander unterscheiden zu können, muss genau hingeschaut werden. Zur Orientierung gibt es hier verschiedene Kennzeichnungen. Während die Kennzeichnung für Einweg oder Mehrweg am Regal seit dem 01. Januar 2019 verpflichtend ist, kann eine Mehrwegflasche zusätzlich mit dem Mehrweg-Logo oder dem Umweltzeichen Blauer Engel gekennzeichnet werden. Das ist allerdings kein Muss. Mehrwegflaschen der Genossenschaft Deutscher Brunnen tragen den Hinweis „Mehrweg-Leihflasche". Mehrwegflaschen können außerdem an der Aufschrift „Leihflasche", „Mehrweg" oder „Mehrwegflasche" erkannt werden. Leicht auszumachen sind hingegen Einwegflaschen. Man erkennt sie am Einwegpfand-Symbol, welches den meisten von uns bekannt sein dürfte. Also immer die Augen offen halten!

Pfand = Mehrweg?

So einfach ist es leider nicht!

Früher war Pfand ein eindeutiges Merkmal für Mehrweg-Verpackungen. Ebenso konnte man nur Mehrwegflaschen in Kästen kaufen. Heute ist beides auch für Einweg-Verpackungen möglich und macht die Situation unübersichtlich. Denn Mehrwegkästen garantieren nicht, dass auch Mehrwegflaschen im Kasten sind. Seit einigen Jahren gibt es ein spezielles System, das Einwegflaschen in Mehrwegkästen vertreibt. Diese Flaschen tragen oft das PET-Cycle Symbol. Das Zeichen steht für Einweg und Recycling der Flaschen, nicht für Mehrweg und Wiederbefüllung. 

Vor allem im Südwesten Deutschlands wird das kastengestützte Einwegsystem PET-Cycle verwendet. Allerdings ist das vielen Menschen gar nicht bewusst. Denn ein Kasten mit PET-Cycle Flaschen vermittelt den Eindruck eines Mehrweggebindes, da die schwarzen Kästen regulär gegen Pfand zurückgegeben werden können. Es handelt sich dabei aber um Einwegflaschen, die nach einmaligem Gebrauch geschreddert werden und somit wenig umweltfreundlich sind. 

Deshalb sollte beim Kauf von Kästen z.B. bei Mineralwasser, immer geprüft werden, welche Kennzeichen sich auf den Flaschen befinden oder nach der Höhe des Pfands gefragt werden. So kann sichergestellt werden, ob es sich um Einweg- oder Mehrwegflaschen handelt. Momentan hat das deutsche Pfandsystem folgende Pfandarten:

  • Für alle Einwegflaschen bzw. Einwegdosen gibt es ein Pfand von 25 Cent.
  • Mehrwegflaschen aus Glas, Mehrweg-Bierflaschen mit Bügelverschluss und PET-Mehrwegflaschen haben in der Regel ein Pfand von 15 Cent.
  • Sollte die Mehrweg-Bierflasche aus Glas sein, gilt ein Pfand von 8 Cent.

Auch bei Mehrweg gibt es Unterschiede…

Ein Überblick

Viele kennen den Schriftzug „Leihflasche Deutscher Brunnen“ auf Glas- und PET-Mehrwegflaschen. Alle Flaschen, die diesen Schriftzug tragen, wurden von der Genossenschaft Deutscher Brunnen eG kurz GDB entwickelt und sind immer Mehrweggebinde. Die einzelnen Mineralbrunnenunternehmen befüllen diese Flaschen mit ihren Produkten und versehen sie mit ihren individuellen Etiketten. Zu jedem Flaschentyp gibt es bei der GDB auch den passenden Kasten. Diese Flaschen werden Poolflaschen genannt. Das Prinzip einer Poolflasche ist einfach: Mehrere Unternehmen nutzen dieselben Flaschen zur Abfüllung. Das hat Vorteile für Mineralbrunnen und Verbraucher.

Die Unternehmen müssen durch die Nutzung dieser Flaschen weniger Leergut sortieren, was viele Kosten einspart. Und die Verbraucher können sie in fast jedem Super- oder Getränkemarkt zurückgeben. (Mit Ausnahme fast aller Discounter, die nur Einwegflaschen führen.) Poolgebinde schonen außerdem Ressourcen, da sie fast immer zum nächstgelegenen Abfüller zurückgebracht und neu befüllt werden. Dieser Prozess verkürzt Transportwege und verringert so CO2-Emissionen. Das Gegenteil von Poolflaschen sind sogenannte Individualflaschen, die nur von einem einzigen Unternehmen verwendet werden. Sie sind zwar Mehrwegflaschen, tragen aber häufig individuelle Prägungen und machen daher eine Nutzung durch andere Unternehmen unmöglich.

Genossenschaft Deutscher Brunnen

Mehrweg ist also der bessere Weg

Aber ist PET oder Glas besser für die Umwelt?

Die meisten Verbraucher bevorzugen schon länger eine bestimmte Verpackungsform oder entscheiden sich abhängig von der Situation für Glas- bzw. PET-Flaschen. Glasflaschen werden dabei oft als hochwertig erlebt. Ein klarer Pluspunkt sind zudem die hohen Umlaufzahlen: Glas-Mehrwegflaschen erleben mit bis zu 50 Befüllungen deutlich mehr als PET-Mehrwegflaschen mit bis zu 20 Befüllungen bevor sie wieder dem Recyclingkreislauf zugeführt werden. Dafür hat PET gegenüber Glas einen klar praktischen Vorzug: Es ist bruchfest. Dank ihres geringen Gewichts lassen sich PET-Flaschen außerdem leichter tragen – ein Plus für den Verbraucher, aber auch für die Umwelt. Denn bei der Beurteilung von Mehrwegflaschen spielt auch der Transport eine große Rolle. Je leichter die Verpackung, desto besser. Bei Mineralwasser in der PET-Flasche macht die Verpackung weniger als 7 % des Gesamtgewichts aus. Das reduziert gegenüber den schwereren Glasflaschen den Benzinverbrauch und den CO2-Ausstoß auf dem Transportweg vom Abfüller zum Verbraucher. So schneidet die PET-Mehrwegflasche in der Ökobilanz von Verpackungen am besten ab. Bei regionalen Transportwegen ist die Ökobilanz der Glas-Mehrwegflasche vergleichbar. Ob Glas oder PET: Wenn Sie sich bewusst für Mehrweg entscheiden, leisten Sie auf jeden Fall einen positiven Beitrag für unsere Natur!

Mit Mehrwegflaschen, die bei aquaRömer in der Region abgefüllt wurden, ist man aus Umweltsicht immer auf der sicheren Seite.

Aqua Römer Quelle und Naturparkqulle Mehrweg
CO2 Vergleich

Die Schlusslichter im Umweltvergleich

Einweg-Glasflaschen, Einwegdosen und Tetra Pak

Einwegflaschen aus Glas und Einwegdosen sind die ökologischen Schlusslichter. Von allen Getränkeverpackungen belasten sie das Klima am stärksten. Durch die Zunahme von Plastik an Getränkekartons sieht es auch für diese Verpackung nicht gut aus. Hier gibt es zunehmend riesige Verschlusskappen und ganze Oberteile aus Kunststoff. Zudem bestehen die Getränkekartons aus einer sehr komplizierten, schlecht zu recycelnden Verbundverpackung aus sieben oder mehr übereinandergelegten Schichten, Aluminium, PE-Folie und Papierfasern. Diese Einwegverpackungen haben mit dazu beigetragen, dass die Mehrweganteile bei den Getränkeverpackungen stark gesunken sind. Leider finden sich heute immer mehr solcher Einwegverpackungen in unseren Regalen und die Mehrwegquote in Deutschland sinkt. Unserer Umwelt zuliebe sollte man beim nächsten Kauf also ganz genau hinschauen!

Sieger der Umweltbilanz sind und bleiben die PET- und Glasmehrwegflaschen. Am besten aus der Region.